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Carneval in Salvador de Bahia (Fortsetzung)
Chang Noi: Brief aus Bahia:
Salvador, den 11. Februar
Karneval,(Sexta- Feria)
Wir knattern in Pieris Klapperauto zu einer Pizzeria an der Strasse nach Salvador. Die Pizza schmeckt zum kotzen.
Ich springe auf den vollen Bus nach Salvador. Vorne singen einige Kids den Hit von Olodum. Dazu trommeln sie mit den Händen an den Fensterscheiben. Zwei pubertierende Mädchen in der Sitzreihe neben mir schauen zu mir rüber. Sie machen eine Bemerkung über meine langen Beine, und was wohl sonst noch so an mir lang wäre. Sie brechen in schallendes Gelächter aus. Aus einer Styroporbox heraus verkaufen sie mir unbekannte, aphrodisierenden Spezialgetränke.
Ich probiere mich durch ihr Angebot, und entscheide mich für eine Flasche herben Inhalts. Wir trennen uns als beste Freunde.
Paula's ist bumsvoll. Die Mädchen drängeln am Tresen, tanzen, sitzen an den Tischen mit den Freiern, meist Italiener, Franzosen, Argentinier, aber auch reiche Paulista und ein paar Deutsche. Ein Mädchen strippt auf einem Tisch. Bei der sind nur ihre Gedanken häßlich. Eine der wenigen Mädchen, die ich nicht mag. Meint auch Micki Mausi, der sich neben mich gestellt hat, "aber astreiner Körper".
Vor mir steht eine Frau, was heißt Frau, ein Weib, Vollweib, traummaßmäßige Urmutter. Sie schaut der Stripperin zu, leckt sich ihre vollen Lippen. Sie lacht mich an, wirft dabei den Kopf zurück, so daß ihr die schwarzen Haare über die Schulter fliegen. Sie praesentiert mir ihren Körper von allen Seiten. Wie Bugs Bunny, wenn der 'ne Mohrrübe sieht, steuere ich auf sie zu. Sie faßt mich an den Hüften, greift fest, als wolle sie mein Fleisch testen, Sie flüstert mir ins Ohr: "Come on. Let's go, solo putas aqui." Sie zieht mich zum Ausgang. Sie sagt, sie weiß wo sie cinco grammos für 50 $ kriegt. Ich steige ihr hinterher, nur noch ihren Arsch vor Augen, und der Phantasie, uns ordentlich die Nase zu pudern und zu ficken, ficken, ficken. Im Taxi drückt sie meinen Schwanz. Ich darf ihre großen schweren Brüste fühlen, während sie dem Fahrer den Weg erklärt.
In der verlassenen Altstadt steigen wir aus, gehen zu Fuß weiter. Sie pinkelt zwischen zwei Autos.
"Nao seguro".
An der Hand schleppt sie mich zur Kneipe an der Ecke.
Anscheinend kennt sie den Besitzer.
Sie deutet, daß ich ein Amigo wäre, und sie mal kurz weg müsse.
"I'm back in 5 minutes". Ich gebe ihr 50$, und warte.
Ich warte 10 Minuten, ich warte 20 Minuten. Natürlich kommt sie nicht wieder.
Ave Maria! Bist du dämlich! Das darfst du gar keinem erzählen! Ich ärgere mich nicht mal über sie, sondern nur über meine eigene Doofgeilheit.
Ein Bier trinke ich doch noch. Es erscheint ein dicker aufgeregter Brasilianer . Er wäre gerade überfallen worden,und brauche ein Bier. Er hält einen großen Geldschein im Werte von 10 Pfennig in die Luft. Ich greife mir das Scheinchen und bestelle. Er gießt sich gleich selber ein, nimmt meine letzte Zigarette, gießt nach, verlangt, daß ich Zigaretten kaufen gehe. Ruhig knöpfe ich mein Hemd auf. "Nimm! Meine Schuhe vielleicht? Ach ja Zigaretten!" Ich nehme meine glimmende Kippe, und werfe sie in sein Bier. Er springt auf. Wutschnaubend stehen wir uns gegenüber.
Der Europäer erkrankt an seinem eigenen Verlangen, der Brasilianer an dem seiner Mitmenschen. Und bei 50% Inflation im Monat, ist jeder $-Gringo eine Versuchung dessen Leichtgläubigkeit und Unwissenheit auszunutzen. Meistens betrügen sie dich jedoch nur um kleine Beträge, um sich eine gute Zeit zu ergaunern.
Blumen für die Meeresgöttin
Die Barraca von Pieri und Ligia liegt etwas außerhalb von Itapoa. Zwei große Felsen, links und rechts, weit ins Meer hinaus liegend, bilden eine malerische Bucht.
Heute Nachmittag schwimmen Pieri und ich aus der Bucht aufs offene Meer hinaus. Richtig weit, denn es liegt glatt und ruhig. Aus der Ferne steuert ein Boot auf uns zu. Der Bootsführer hat in Pieri einen Freund erkannt, dreht bei, und ein paar starke Hände ziehen uns an Bord. Wir setzen zum anderen Ufer der Bucht über. Dort warten wohl 1000 Menschen mit riesigen Blumensträußen auf den Armen. Mehr Boote erscheinen. Die Kinder springen im Wasser herum, versuchen die Boote zu erklettern. Füllige, imposante schwarze Bahianas, fröhliche, dabei würdevolle Frauen in altmodischen weißen Gewändern besteigen die Boote. Berge von Blumen werden geladen. Junge Männer wuchten ihre großen Pauken in die Boote. Wir verlassen den Strand mit Kurs aufs offene Meer. Während sich die Boote durch die Wellen pflügen, schlagen die Männer ihre Trommeln. Zwischen den Blumen sitzen die Frauen und singen. Die Boote stoppen. Alles lacht und ist völlig heiter. Die Blumen werden ins Wasser gelassen. Die jüngeren springen hinterher. Auch ich springe ins Wasser. Ein Junge gibt mir das Zeichen zu tauchen. Wir tauchen tief. Als wir wieder aufzutauchen, schwimmen wir in Orchideen, in einem wahrhaftigen Meer voll Blumen. Mein Glücksgefühl ist unbeschreiblich. Da ich nur mit einer Badehose bekleidet bin, widme ich meiner unbekannten Göttin einen kleinen Muschelarmreif, den ich am Handgelenk trage.
Auf dem Rückweg springen wir dort wieder ins Meer wo uns das Boot aufgenommen hat. Wir schwimmen zurück an Land . Ligia erwartet uns bereits. Sie hat Langusten zubereitet. Die Hitze des Tages weicht einer milden Abendbrise. Der Himmel leuchtet purpur.
Morgen beginnt der Karneval.
Schon seit Tagen hängt Giorgi am Strand rum und will Pieri und mir ein T-shirt verkaufen, daß uns berechtigt in dem Blocko CLUBE DOS 20 mit zulaufen/tanzen. Ich bin skeptisch, doch auf den letzten Drücker kaufen wir die Dinger.
Abends im Bus zum Campo Grande. Ich komme mir dämlich vor. Kein Mensch trägt so ein beklopptes T- shirt, und dieser Wedelbusch aus bunten Plastikstreifen stempelt mich zum Vollidioten.
Unser Bus quält sich durch die von Autos und Menschen verstopften Straßen. Zu Hunderttausenden strömen sie in die Altstadt .Sie kommen sogar aus Rio rauf, wegen der Musik, den Frauen, und weil hier noch echter Straßenkarneval gefeiert wird.
Wir steigen aus, um uns von dem endlosen Strom der Menschen mitreißen zu lassen. Nur mit größter Mühe bahnen wir uns einen eigenen Weg durch die Menge. Überall stehen Barracas mit eiskaltem Bier im Kühlschrank. Ich habe das Gefühl innerlich zu verkochen, doch Pieri drängt weiter; wir müssen unseren Blocko finden. Ein riesiger Truck schiebt sich durch die zu einer schier undurchdringbaren Masse verschmolzenen Menschen. Turmhoch sind die Lautsprecher auf der Ladefläche gestapelt. Darauf spielt Olodum. Vor dem Truck gehen 100 Trommler.
Der ohrenbetäubende Rhythmus läßt meinen Brustkorb vibrieren. Meine leichtbekleideten Nachbarn fangen an zu tanzen und setzen dabei jeden Körperteile in Bewegung der das zulässt.
Itapoa, Karneval, secunda-feira. den 14.Februar
Ich will unseren Blocko nicht länger suchen. Die Musik und die Menschen packen mich, mein Körper will tanzen. "Pieri,schau dir die Mädchen an , sie lachen zu uns rüber". Pieri zieht mich weiter. Wir halten uns aneinander fest, um uns nicht zu verlieren. Einen Augenblick abgelenkt, schon ist dein Freund verschwunden, hat sich aufgelöst, wie ein Tropfen im Meer. Die Hände fest ineinander gekrallt, zwängen wir uns im Gänsemarsch durch die Menge.
An einer weniger belebten Ecke taucht ein trauriger Haufen von vielleicht 50 Personen auf, die alle unsere T-shirts tragen. Kein Trio Electrico, kein Truck, kein Verstärker! 20 Trommeln und 10 Bläser, das ist alles!
"Emergencia! Uma cerveja, super,super gelada, por favor!". Der Mann hinter der Barraca knallt eine dampfende,angefrorenen Flasche Antarcica auf den Tresen. Die zischt!
Unser Blocko setzt sich in Bewegung. Ein Zeremonienmeister, dirigiert die Trommeln. Dann setzen die Bläser ein. Der Sound ist mörderisch, mitreißend, die Schwerkraft überwindend.
Salvador, den 12. Februar
Gegen Mittag reißen mich die Kinder aus meiner Strasse aus einer heftigen Ohnmacht. Sie trommeln sich auf Blechkanistern die Seelen aus dem Leib. Ich glaube Brasilianer zu sein. Ich ziehe mir meine Strampelhose über, deponierte ein paar Scheine in den Hosenbund, und trete barfuß aus dem Haus. Auf zum beach! Derart nichtdenkend, nur Angst vor dem offenen Gulli hinter der Kurve habend, gehe ich die Straße runter. Die Sonne steht hoch. Das Thermometer im Schatten am Dorfplatz zeigt 39 Grad. Der schwarze Asphalt ist heiß wie eine Herdplatte.
Mit zwei 5 Markstück großen Brandblasen unter den Fußsohlen komme ich an den Strand gehumpelt. Ligia holt die alte Bahiana, die hinten am Felsen Essen verkauft. Sie schaut sich die Blasen an, die dick und hart unter der Hornhaut quellen, verschwindet, kehrt nach ein paar Minuten zurück, schmiert mir was gelbes unter die Sohlen, sagt ich soll nicht rumlaufen, und ihr ein Bier ausgeben. Es werden ungefähr 10 Biere.
Gegen Sonnenuntergang lasse ich mich nach Hause fahren. Als ich Nachts erwache sind die Brandblasen weg, als hätte es sie nie gegeben.
Holla!Auf nach Barra, doch in meiner "Rua" ist es ruhig. Es sind nur wenige Mädchen da. Die girls feiern in der Altstadt. Ich treffe amigo Geraldo, immer noch entschiedener Freund und Profiteur von Sonja, in Begleitung zweier mir unbekannter Schönheiten. Ich frage ihn lieber nicht wo Sonja steckt.
Im Gedränge am Campo Grande stimulieren wir uns mit Batida, tanzen zu den Klängen der Trios. Es ist toll, aber eine Stimmung wie gestern will nicht aufkommen. Finster dreinblickende Polizisten marschieren mit ihren Stahlhelmen durch die tanzende Menge und geben eine bizarre Vorstellung zwischen den lachenden Gesichtern der Tanzenden.
Es kommt in unserer Nähe mehrfach zu Schlägereien, wobei sich die Mädchen besonders auszeichnen, indem sie uns, noch bevor wir irgendwas gemerkt haben, vor der aufkommenden Panik in Sicherheit ziehen. Als ein Kerl schreiend mit einem gezückten Dolch haarscharf an uns vorbeirennt, wird es uns zu blöd. Wir fahren wieder runter nach Barra. Mein durchgeschwitztes Hemd wringe ich während der Fahrt auf dem Pik up aus, und lasse es im Wind trocknen.
Itapoa, Karneval, secunda-feira. den 14.Februar
Ich will unseren Blocko nicht länger suchen. Die Musik und die Menschen packen mich, mein Körper will tanzen. "Pieri,schau dir die Mädchen an , sie lachen zu uns rüber". Pieri zieht mich weiter. Wir halten uns aneinander fest, um uns nicht zu verlieren. Einen Augenblick abgelenkt, schon ist dein Freund verschwunden, hat sich aufgelöst, wie ein Tropfen im Meer. Die Hände fest ineinander gekrallt, zwängen wir uns im Gänsemarsch durch die Menge.
An einer weniger belebten Ecke taucht ein trauriger Haufen von vielleicht 50 Personen auf, die alle unsere T-shirts tragen. Kein Trio Electrico, kein Truck, kein Verstärker! 20 Trommeln und 10 Bläser, das ist alles!
"Emergencia! Uma cerveja, super,super gelada, por favor!". Der Mann hinter der Barraca knallt eine dampfende,angefrorenen Flasche Antarcica auf den Tresen. Die zischt!
Unser Blocko setzt sich in Bewegung. Ein Zeremonienmeister, dirigiert die Trommeln. Dann setzen die Bläser ein. Der Sound ist mörderisch, mitreißend, die Schwerkraft überwindend.
Salvador, den 12. Februar
Gegen Mittag reißen mich die Kinder aus meiner Strasse aus einer heftigen Ohnmacht. Sie trommeln sich auf Blechkanistern die Seelen aus dem Leib. Ich glaube Brasilianer zu sein. Ich ziehe mir meine Strampelhose über, deponierte ein paar Scheine in den Hosenbund, und trete barfuß aus dem Haus. Auf zum beach! Derart nichtdenkend, nur Angst vor dem offenen Gulli hinter der Kurve habend, gehe ich die Straße runter. Die Sonne steht hoch. Das Thermometer im Schatten am Dorfplatz zeigt 39 Grad. Der schwarze Asphalt ist heiß wie eine Herdplatte.
Mit zwei 5 Markstück großen Brandblasen unter den Fußsohlen komme ich an den Strand gehumpelt. Ligia holt die alte Bahiana, die hinten am Felsen Essen verkauft. Sie schaut sich die Blasen an, die dick und hart unter der Hornhaut quellen, verschwindet, kehrt nach ein paar Minuten zurück, schmiert mir was gelbes unter die Sohlen, sagt ich soll nicht rumlaufen, und ihr ein Bier ausgeben. Es werden ungefähr 10 Biere.
Gegen Sonnenuntergang lasse ich mich nach Hause fahren. Als ich Nachts erwache sind die Brandblasen weg, als hätte es sie nie gegeben.
Holla!Auf nach Barra, doch in meiner "Rua" ist es ruhig. Es sind nur wenige Mädchen da. Die girls feiern in der Altstadt. Ich treffe amigo Geraldo, immer noch entschiedener Freund und Profiteur von Sonja, in Begleitung zweier mir unbekannter Schönheiten. Ich frage ihn lieber nicht wo Sonja steckt.
Im Gedränge am Campo Grande stimulieren wir uns mit Batida, tanzen zu den Klängen der Trios. Es ist toll, aber eine Stimmung wie gestern will nicht aufkommen. Finster dreinblickende Polizisten marschieren mit ihren Stahlhelmen durch die tanzende Menge und geben eine bizarre Vorstellung zwischen den lachenden Gesichtern der Tanzenden.
Es kommt in unserer Nähe mehrfach zu Schlägereien, wobei sich die Mädchen besonders auszeichnen, indem sie uns, noch bevor wir irgendwas gemerkt haben, vor der aufkommenden Panik in Sicherheit ziehen. Als ein Kerl schreiend mit einem gezückten Dolch haarscharf an uns vorbeirennt, wird es uns zu blöd. Wir fahren wieder runter nach Barra. Mein durchgeschwitztes Hemd wringe ich während der Fahrt auf dem Pik up aus, und lasse es im Wind trocknen.
Die Promenade ist fast leer. Zeit nach Hause zu fahren. Aber irgendwie komme ich mir blöde vor, überall Sex Sex Sex, und ich gehe immer allein ins Bett. Ich frage meine schöne Begleiterin, wie es denn mit uns wäre. Wir sind schon auf dem Weg zum Taxi, da biegt ein Trio-Electrico um die Ecke, und eine entfesselte Band feuert ihren Sound auf uns ab. Das ist geiler als ficken. Alle Mädchen aus der "Rua" tauchen auf. Paula, Marcia, Lucia, Andrea und natürlich Sonja. Tanzend bewegen wir uns vor dem Truck der Promenade entlang. Da ist es wieder, dieses Gefühl. Alegria! Karneval mit den Huren von Barra! Schon wieder ein glücklicher Bauernlümmel. Immer mehr Wahnsinnige schließen sich uns an, bis wir in einer tausendfachen Massenorgie vor dem Farol ankommen. Die Energie von all diesen Körpern die sich in Ekstase der Samba ergeben, ist unglaublich. Wir tanzen, wir stampfen, stöhnen und schreien im Taumel der Sinne. Die Sambatrommeln treiben uns voran. Oh Regen, wunderbarer Regen, kühle unseren glühenden Körper. Schließlich gebiert das Meer die Sonne. Weiter, weiter. Als die Sonne auf 10 Uhr steht, krieche ich in den Bus nach Itapoa, und wache wieder erst am Flughafen auf.
Leichtkarneval vor der Barraca von Ligias Schwester.
Der Tag geht mit schwimmen, sonnen, schlafen dahin. Ich hänge den ganzen Tag am beach rum und lasse es mir gut gehen. Gepriesen seid ihr Huren von Barra. Ihr duftenden Blumen, verwandelt die Doofgeilheit der Dummschwänze in cash, schmeißt euch weg für den yanky $.
Ich lese Virillo am Strand."Krieg und Fernsehen". Lasse den Clausewitz aber noch liegen. Beim Bier am beach? Why not! Der Sand ist so heiß, daß die Brasilianer wie verrückte Hühner über den Strand hüpfen. Ich sitze schön im Schatten, die Beine im Wasser.
Irgendwie muß jetzt eine Frau her. Seit ich aus Barra weg bin, habe ich über Sex nur philosophiert.
Sonnenuntergang.Valney stellt sie mir vor. Die Zigeunerin aus dem Schlafzimmer meiner Eltern. Wir ficken und lecken die ganze Nacht. Sie verschwindet mit dem Sonnenaufgang. Kein Hemdchen benutzt.
Salvador, Karneval, terca feira, den 15. Februar
Letzter Tag, Ich gehe mit den amigos Valney, Natau und Giorgi rauf in die cidade alta. Alle drei sind verheiratet, mehrfache Väter von Kindern verschiedener Mütter, die wiederum auch von anderen Männern Kinder haben. Sie bestellen sich Bier. Bier ohne Ende. Ich denke ich sterbe. Ausgerechnet genau gegenüber das Polizeipräsidium. Gerade schleppen die Bullen ihre gefesselte Beute , vor Entsetzen gelähmte Jugendliche, in ihre Folterkeller. Ich bestelle Pinga.
Wir ziehen endlich weiter, schieben uns durch die Massen. Heiße Körper pressen sich gegen meinen. Mit beiden Händen stemme ich mich gegen eine Mauer um nicht erdrückt zu werden. Schon habe ich 100 Hände in meiner Hose. Mein Geld ist weg. Aber wozu hat mann Amigos.
Ein Trio nach dem anderen zieht vorbei. Wir haben jeder ein Mädchen kennengelernt, und betanzen uns eifrig. Die Blockos ziehen vorbei. Seht her, wie schwarz wir sind, seht wie schön wir sind. Als sich eine Frau aus ihrem Blocko löst kann ich nicht umhin ihr meine Komplimente zu machen .
Meine Amigos haben sich an ihren gatas festgequatscht, und drängen auf Vollzug, wollen sie am liebsten gleich hier umwerfen. Ich will aber weiter, und stürze mich allein in den Wahnsinn. Das geht wunderbar ab. Alle lachen mich an. Ich tanze mit wildfremden Menschen, trinke aus fremden Gläsern, Ich gerate ich in einen Strudel, der mich taumelnd vorwärts treibt Weiter, immer weiter.
Da mir jedoch mitlererweile am Hinterkopf Augen gewachsen sind, habe ich mitgekriegt, daß mir ein paar böse Jungs folgen. An einer Barraca bestelle ich ein Bier. Ein Mann spricht mich auf englisch an. "Hi, my name is Toni. Stay here! Outside they wait for you."
Daß er mich warnt ist noch kein Grund, daß er es ehrlich meint, doch er ist mit zwei starken Frauen da, und ich entschließe mich ihm zu vertrauen.
"Toni? Boa amigo," sagt eine, und schenkt mir ein Bier ein. Einer meiner Verfolger spricht mit Toni. Ein kurzes Wortgefecht. Der Kerl haut ab.
"I made clear to him, that you are mine now."
Es ist schon Tag, als sie mich im Bus bis nach Itapoa begleiten. vor Ligias Barraca lassen wir die Party noch mal aufleben. Gegen Mittag am Quarta-feira (Aschermittwoch) falle ich allein in mein Bett.
Das war die größte!!!, aufregendste!!!, heißeste!!!, geilste!!!, gefährlichste!!! Party mit den schönsten!!! Menschen, die ich je!!! erlebt, ertanzt, und erliebt habe.
Salvador, den 17. Februar
Die Stimmung ist wie umgeschlagen. Die Busse sind voll mit Menschen, die zur Arbeit fahren. Die Kinder sind, blütenweiß aus dem Ei gepellt, auf dem Weg zur Schule. Karneval passato. Katerstimmung? Vielleicht nicht der richtige Ausdruck, aber einige werden wohl doch zur Beichte müssen. Auf einmal lerne ich ein anderes Bahia kennen. Doch darüber schreibe ich Dir das nächste mal.
mit freundlichen Grüßen
Knut
p.s.:
"Dürfen wir fortfahren ernsthafter zu sprechen, als es der Gegenstand zu erlauben scheint, so bemerken wir: daß die lebhaftesten und höchsten Vergnügen uns nur einen Augenblick erscheinen und kaum eine Spur in der Seele zurücklassen, daß Freiheit und Gleichheit nur in dem Taumel des Wahnsinns genossen werden können, und daß die größte Lust nur dann am höchsten reizt, wenn sie sich ganz nah an die Gefahr drängt und lüstern ängstlich-süße Empfindungen in ihrer Nähe genießet"
p.p.s.:
Habe heute zwei Deutsche getroffen.Fußball Furzende,weiße Socken fressende Schweinebäuche. Frauen, schmeißt eure deutschen Männer weg.
Dabei muß man um richtig Fußball zu spielen, Samba tanzen können.(um zu lieben übrigens auch) Der Deutschen Fußball ist die Fortsetzung der deutschen Politik mit anderen Mitteln.
FIN
© knut hoffmeister
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